Früherkennung und Diagnose

Je früher eine Krankheit erkannt wird, umso besser kann sie behandelt werden. Das gilt auch für Prostataerkrankungen und die daraus resultierenden Blasenprobleme. Auch wenn die gutartige Prostatavergrößerung die häufigste Ursache für Miktionsstörungen beim Mann ist, können die Beschwerden ebenso auf eine Entzündung der Prostata oder Prostatakrebs zurückzuführen sein. Unabhängig davon heißt gutartig noch lange nicht harmlos! Warten Sie auf keinen Fall, bis mehrere der oben genannten Symptome zusammenkommen.

Jährliche Vorsorgeuntersuchung ab 45 Jahren

Da Prostatakrebs lange Zeit überhaupt keine Beschwerden verursacht, ist es umso wichtiger, die jährliche Vorsorgeuntersuchung in Anspruch zu nehmen, die allen Männern ab dem 45. Lebensjahr zusteht. Neben der Prostata werden bei dieser Früherkennungsmaßnahme auch die äußeren Genitalien und die Haut untersucht. Leider nutzen nur 15 Prozent der Männer dieses Angebot, obwohl der Gesundheitscheck harmlos ist und nur wenige Minuten dauert.

Das macht Ihr Arzt!

diagnose1Leiden Sie unter häufigem Harndrang, vor allem nachts, Startschwierigkeiten beim Wasserlassen, dem Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung, Schmerzen beim Urinieren und beim Geschlechtsverkehr, Erektionsstörungen oder Blut in Urin und Samenflüssigkeit, wird Ihr Arzt nach einem ausführlichen Gespräch (= Anamnese) folgende Untersuchungen vornehmen:

Tastuntersuchung

Bei dieser schmerzfreien Untersuchung führt der Arzt seinen Finger rektal ein und tastet die Prostata ab. So lassen sich Größe, Form und Beschaffenheit der Prostata bestimmen. Vor allem Letzteres liefert erste wichtige Hinweise, ob es sich um eine gutartige oder bösartige Veränderung handelt. Zur genaueren Abklärung der Erstdiagnose und/oder bei auffälligem Befund können sich weitere Untersuchungen anschließen.

Selbsttest

Der International Prostata Symptom Score (IPSS) wurde 1992 von Urologen in den USA entwickelt, um Symptome und Schweregrad einer gutartigen Prostatavergrößerung beurteilen zu können. Neben sieben Fragen zu den Beschwerden enthält der Selbsttest eine achte Frage zur Lebensqualität, die 1993 von der WHO ergänzt wurde. Beantworten Sie bitte die Fragen und klicken Sie auf "berechnen". Darunter finden Sie die Auswertung des Tests. Auch wenn der Test keine urologische Untersuchung ersetzt, liefert er doch wichtige Hinweise auf eine mögliche Veränderung der Prostata und dient als Vorbereitung auf das Arztgespräch.

  Alle Angaben beziehen sich auf den vergangenen Monat! nie seltener als in einem von fünf Fällen seltener als in der Hälfte der Fälle ungefähr in der Hälfte der Fälle in mehr als der Hälfte aller Fälle fast immer
1. Wie oft hatten Sie das Gefühl, dass Ihre Blase nach dem Wasserlassen nicht ganz entleert war?
2. Wie oft mussten Sie innerhalb von zwei Stunden ein zweites Mal Wasser lassen?
3. Wie oft mussten Sie beim Wasserlassen mehrmals aufhören und neu beginnen?
4. Wie oft hatten Sie Schwierigkeiten, das Wasserlassen hinauszuzögern?
5. Wie oft hatten Sie einen schwachen Strahl beim Wasserlassen?
6. Wie oft mussten Sie pressen oder sich anstrengen, um mit dem Wasserlassen zu beginnen?
7. Wie oft sind Sie im Schnitt nachts aufgestanden, um Wasser zu lassen? nie einmal zweimal dreimal viermal fünfmal und mehr
  Gesamtpunktzahl:   
8. Lebensqualität
Wie würden Sie sich fühlen, wenn sich Ihre Symptome beim Wasserlassen zukünftig nicht mehr ändern würden?
ausgezeichnet zufrieden überwiegend zufrieden gemischt, teils zufrieden, teils unzufrieden unglücklich sehr schlecht

Zur Ermittlung des Gesamt-IPSS werden nur die Punktzahlen der Fragen 1 bis 7 zusammengezählt. Das Ergebnis von Frage 8 fließt zwar nicht in die Wertung ein, ist jedoch ein wichtiger Indikator für Sie und Ihren Arzt zur Einschätzung der Behandlungsnotwendigkeit. Der Test bezieht sich nur auf die letzten vier Wochen und sollte in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.

Punktezahl Auswertung
 0 - 7 Punkte Ihre Beschwerden sind nach offizieller Einteilung der milden Symptomatik zugeordnet. Trotzdem sollten Sie ein Gespräch mit einem Arzt über dieses Thema führen und den Test nach vier Wochen wiederholen.
 8–19 Punkte Die Beschwerden sind bereits stark beeinträchtigend. Sie werden nach offizieller Einteilung der mittleren Symptomatik zugeordnet. Suchen Sie möglichst bald einen Arzt auf. 
 20–35 Punkte Die Beschwerden wirken sehr stark beeinträchtigend. Sie sind nach offizieller Einteilung der schweren Symptomatik zuzuordnen. Besprechen Sie das Testergebnis umgehend mit einem Arzt. 
Ultraschall

Mit Ultraschall wird geprüft, wie viel Urin sich nach dem Wasserlassen noch in der Blase befindet (= Restharnbestimmung) und in welchem Zustand Nieren, Blase und Prostata sind. Eine zweite Ultraschalluntersuchung, die über den Enddarm erfolgt, liefert sehr exakte Bilder der Prostata.

Harnflussmessung (Uroflowmetrie)

Ergänzend dazu wird gemessen, wie viel Urin pro Sekunde abgegeben wird. Stärke und Geschwindigkeit des Harnstrahls lassen erkennen, ob die Blasenentleerung normal verläuft oder nicht. Bei einer verengten Harnröhre zeigt die als Kurve dargestellte Harnflussrate einen für die BPH typischen Verlauf.

Urinuntersuchung

diagnose2Im Labor werden zudem Urin und Blut untersucht. Entzündungen der Prostata lassen sich ebenso im Urin nachweisen wie Harnwegsinfektionen oder Allgemeinerkrankungen – zum Beispiel Diabetes mellitus.

Blutuntersuchung

Die Blutprobe wird vor allem auf das prostataspezifische Antigen (PSA) untersucht. PSA ist ein Eiweiß, das in der Vorsteherdrüse gebildet wird und bei einer Erkrankung der Prostata in erhöhter Konzentration im Blut nachgewiesen werden kann. Das kann, muss aber kein Hinweis auf ein Karzinom sein. Erst wenn der PSA-Wert bei einer späteren Kontrolluntersuchung immer noch erhöht ist, schließt sich in der Regel eine Biopsie an (s. unten). Bestätigt sich die Diagnose, lässt sich je nach Ausmaß der PSA-Erhöhung abschätzen, wie groß der Tumor ungefähr ist und ob er bereits Tochtergeschwülste (= Metastasen) gebildet haben könnte. Ein weiterer wichtiger Blutwert ist der Kreatininwert. Bei eingeschränkter Nierentätigkeit reichert sich dieses Stoffwechselabbauprodukt im Blut an. Ein erhöhter Kreatininspiegel ist daher immer ein Alarmsignal!

diagnose3Gewebeentnahme (Biopsie)

Bei Verdacht auf einen Tumor wird zusätzlich zu den bisher durchgeführten Tests eine Gewebeprobe entnommen und in einem Speziallabor mikroskopisch untersucht. Da Prostatakrebs sehr langsam voranschreitet, besteht normalerweise kein Anlass für überstürztes Handeln. Die Art der Therapie muss nach Abwägung aller Vor- und Nachteile gut überlegt sein. Je nach Alter und allgemeinem Gesundheitszustand des Betroffenen wird in manchen Fällen gänzlich auf eine Behandlung verzichtet.

Broschüre zum Thema
mre kl

Die Deutsche Seniorenliga hat in Kooperation mit Dr. Pfleger Arznei-mittel eine Infor-mationsbroschüre zum Thema "Prostataerkran-kungen und Harninkontinenz" herausgegeben.

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