Behandlung der Blasenschwäche

Welche Behandlung bei Inkontinenz infrage kommt, hängt von der Erkrankung ab, die für den Kontrollverlust über die Blase verantwortlich ist, und davon, inwieweit die Miktionsstörung durch die Therapie der Grunderkrankung behoben werden kann. Das individuelle Erleben der Beschwerden spielt ebenfalls eine Rolle bei der Wahl einer geeigneten Behandlung.

Bei gutartiger Prostatavergrößerung

behandlung5Kontrolliertes Zuwarten

Bei geringfügigen Beschwerden ist eine Behandlung zunächst meist nicht erforderlich. In diesen Fällen wird die Strategie des kontrollierten Zuwartens gewählt. Dabei werden die Patienten umfassend über die Erkrankung und den möglichen weiteren Verlauf aufgeklärt und bekommen Tipps zum Umgang mit den Symptomen.

Medikamentöse Therapie
Pflanzliche Mittel

Leichte Beschwerden lassen sich oft mit pflanzlichen Arzneimitteln (= Phytotherapeutika) lindern. Dabei kommen in erster Linie folgende Pflanzenextrakte zum Einsatz:

  • Afrikanische Lilie (Hypoxis rooperi)
  • Sägezahnpalme (Serenoa repens)
  • Brennnesselwurzel (Radix urtica dioica)
  • Kürbissamen (Cucurbita pepo)
  • Roggenpollen (Secale cereale)

Pflanzlichen Präparaten wird ein entzündungshemmender und reizlindernder Effekt zugesprochen. Allerdings stehen wissenschaftlich gesicherte Studien zum therapeutischen Nutzen bislang noch aus.

Chemische Mittel

behandlung4Stellt sich keine Besserung ein bzw. verschlimmern sich die Symptome im weiteren Verlauf der Erkrankung, werden chemisch hergestellte Medikamente zur Linderung der Beschwerden verschrieben. In der Regel handelt es sich dabei um Alphablocker oder 5-Alpha-Reduktasehemmer. Erstere entspannen die glatte Muskulatur der Prostata, erleichtern das Wasserlassen und verringern eventuellen Restharn. Meist zeigt sich bereits innerhalb weniger Tage eine deutliche Besserung der Beschwerden. Als Nebenwirkungen können Alphablocker (z. B. Alfuzosin, Doxazosin, Tamsulosin, Terazosin) Kopfschmerzen, Benommenheit oder Blutdruckabfall hervorrufen. Darüber hinaus haben Alphablocker keinerlei Einfluss auf das weitere Wachstum der Prostata.

Zellwachstum der Prostata verlangsamen

Ganz im Unterschied dazu zielen die 5-Alpha-Reduktasehemmer (Dutasterid, Finasterid) darauf ab, die Prostata zu verkleinern. Durch die Blockierung des Enzyms Reduktase wird weniger prostataspezifisches Testosteron produziert und dadurch das Zellwachstum in der Prostata verlangsamt. In Langzeitstudien wurde eine Prostataverkleinerung von bis zu 30 Prozent nachgewiesen. Allerdings dauert es mindestens ein halbes Jahr, bis die Medikamente spürbar wirken. Um möglichst rasch Linderung zu erzielen und das Wachstum der Prostata zu stoppen, kann auch eine Kombination aus beiden Wirkstoffgruppen gleichzeitig eingesetzt werden.

Bei Dranginkontinenz helfen Anticholinergika

Da eine vergrößerte Prostata bei Männern die häufigste Ursache für die Entwicklung einer Dranginkontinenz ist, kommt bei quälendem Harndrang und/oder ungewolltem Urinverlust auch die ergänzende Behandlung mit Anticholinergika in Betracht. Diese Medikamente sorgen für eine Entspannung der Blasenmuskulatur, die dadurch wieder mehr Urin speichern kann. Zu den typischen Nebenwirkungen gehören Mundtrockenheit oder Magen-Darm-Beschwerden. In seltenen Fällen können bei einigen Wirkstoffen auch zentralnervöse Störungen in Form von Müdigkeit, Schwindel, Verwirrtheit, Angstzuständen oder sogar Halluzinationen auftreten. In ihrer Wirkung unterscheiden sich die Arzneistoffe wie Oxybutynin, Solifenacin, Tolterodin oder Trospiumchlorid kaum, wohl aber im Umfang der Nebenwirkungen. Ihr behandelnder Arzt kann Ihnen darüber Auskunft geben.

Neue Studien weisen darauf hin, dass sich bei einer hyperaktiven Blase und gleichzeitigem Vorliegen von Blasenentleerungsstörungen eine Kombinationstherapie mit Anticholinergika empfiehlt. Bei dieser Therapie ist die regelmäßige Restharnbestimmung angezeigt.

Operative Verfahren

behandlung3Bringt die medikamentöse Therapie keine Erleichterung mehr oder treten ernsthafte Komplikationen wie obere Harnwegsstauungen, Nierenschädigungen oder wiederkehrende Harnverhalte auf, kann das einen operativen Eingriff erforderlich machen. Dieser wird auf keinen Fall leichtfertig vorgenommen! Nur etwa ein Fünftel aller Patienten mit einer gutartigen Prostatavergrößerung muss sich einer Operation unterziehen. Dabei wird im Einzelfall entschieden werden, welches Verfahren infrage kommt. Das ist von Patient zu Patient unterschiedlich und hat unter anderem mit der Größe der Prostata, dem persönlichen Leidensdruck, dem Alter des Betroffenen, Vorerkrankungen und der Gesamtkonstitution zu tun. Lassen Sie sich ausführlich von Ihrem Urologen beraten und holen Sie ggf. eine zweite Meinung ein.

In der Regel wird die Prostata nicht entfernt, sondern nur verkleinert, damit sie nicht mehr auf Blase und Harnröhre drückt.


Bei Prostataentzündung

Eine akute bakterielle Prostatitis wird mit Antibiotika behandelt. Um einen Rückfall zu vermeiden, sollte die Behandlung zügig begonnen und über vier Wochen durchgeführt werden. Je nach Erreger kommen Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone oder Tetrazykline zur Anwendung. Mit Abklingen der Entzündung gehen auch die Schmerzen und das häufige Wasserlassen zurück. Da die chronische bakterielle Prostataentzündung schlechter auf die Gabe von Antibiotika anspricht, sollte die Langzeitbehandlung mindestens über drei bis sechs Monate erfolgen. Bei beiden Varianten erhalten die Patienten zusätzlich krampflösende und schmerzstillende Mittel.

Noch schwieriger gestaltet sich die Behandlung der abakteriellen Prostatitis, da es hier keine Standardtherapie gibt. Bewährt haben sich entzündungshemmende Medikamente (Antiphlogistika), Alphablocker zur Verbesserung des Urinflusses und Anticholinergika, um den unangenehmen Harndrang in den Griff zu bekommen. Ergänzend empfehlen sich regelmäßige Prostatamassagen, warme Sitzbäder und Beckenbodengymnastik, um die Kontrolle über die Blase zu verbessern.


Bei Prostatakrebs

Das Vorgehen bei Prostatakrebs richtet sich nach der Ausbreitung des Tumors, dem Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung sowie Alter und Gesundheitszustand des Patienten. Zu den wichtigsten Behandlungsmethoden zählen Operation, Bestrahlung und Antihormontherapie, die zum Teil Auswirkungen auf die Blasenfunktion haben können.

Kontrolliertes Zuwarten

Bei älteren, beschwerdefreien Männern mit kleinen Tumoren wartet man in den meisten Fällen zunächst einmal ab und beginnt erst dann mit einer Behandlung, wenn die Erkrankung fortschreitet. Diese Strategie erfordert regelmäßige Kontrollen des PSA-Werts.

Operation

Ist der Tumor auf die Prostata begrenzt, gilt deren operative Entfernung mit Samenblasen und Samenleitern als Standardtherapie. Die benachbarten Lymphknoten müssen nicht zwangsläufig entfernt werden, wohl aber der innere Schließmuskel, weil dieser auf Höhe der Prostata liegt. Dadurch kommt es zumindest vorübergehend bei vielen Männern zu ungewolltem Harnverlust in Form einer Belastungsinkontinenz.

behandlung2Durch konsequentes Beckenbodentraining lässt sich die Kontrolle über die Blase wiedererlangen oder wenigstens verbessern. Nach einiger Zeit übernimmt der äußere Blasenschließmuskel die Verschlussfunktion in der Regel alleine. Dauerhaft klagen jedoch 10 bis 35 Prozent aller Patienten nach einer Radikaloperation über eine gestörte Blasenfunktion und müssen Inkontinenzvorlagen tragen. Durch die oben beschriebenen Medikamente lassen sich die Symptome entsprechend lindern. Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen treten als Folge der Operation zudem Potenzstörungen auf.

Bestrahlung

Bei fortgeschrittenen Tumoren, die bereits die Organgrenze durchbrochen haben, ist die Strahlentherapie die bestmögliche Behandlungsform. Sie kommt auch bei einem hohen Operationsrisiko in Betracht. Neben der Bestrahlung von außen kann man ein lokal begrenztes Karzinom alternativ von innen bestrahlen (= Brachytherapie). Dabei werden kleine Kapseln, sogenannte Seeds, direkt in die Prostata eingebracht und geben dort über einen Zeitraum von vier bis sechs Monaten kontinuierlich Strahlen ab.

behandlung1Auch nach einer Strahlentherapie besteht das Risiko einer vorübergehenden oder sogar dauerhaften Blasenschwäche, da die Bestrahlung zu Gewebeveränderungen und Vernarbungen führen kann. In diesen Fällen reagiert die Blase schon auf geringe Urinmengen mit dem Reiz zum Wasserlassen und unwillkürlichem Urinverlust (Dranginkontinenz). Allerdings sind die wenigsten Patienten selbst unmittelbar nach der Therapie völlig inkontinent. Die Chancen, die Kontrolle über die Blase wiederzuerlangen oder zumindest zu verbessern, sind höher als nach einer Operation. Bei anhaltenden Beschwerden empfehlen sich auch hier entsprechende Medikamente und gezieltes Beckenbodentraining.

Antihormontherapie

Hat der Tumor bereits Metastasen gebildet, gilt die Antihormontherapie als Goldstandard. Da Prostatakrebs für sein Wachstum das männliche Geschlechtshormon Testosteron benötigt, zielt die Antihormontherapie darauf ab, die Bildung von Testosteron zu verhindern. Auch wenn eine Heilung nicht möglich ist, wird ein Fortschreiten der Erkrankung bei 80 Prozent der Patienten zumindest hinausgezögert. Zu den unerwünschten Nebenwirkungen zählen Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und Erektionsprobleme.

Einschränkungen der Blasenfunktion sind bei dieser Therapievariante nicht bekannt.

Broschüre zum Thema
mre kl

Die Deutsche Seniorenliga hat in Kooperation mit Dr. Pfleger Arznei-mittel eine Infor-mationsbroschüre zum Thema "Prostataerkran-kungen und Harninkontinenz" herausgegeben.

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